Wanderschuhe: Die unterschiedlichen Macharten

Bild: Hanwag
Bild: Hanwag

Zwie- /Trigenähte Machart: Zwie- bzw. trigenähte Schuhe erkennt man an der zwischen Sohle und Oberleder sichtbaren Doppel- bzw. Dreifachnaht. Funktionell und handwerklich sind diese Schuhe die hoch- wertigste Machart, die echtes Schusterhandwerk voraussetzt. Diese Technologie macht den Schuh sehr stabil und extrem verwindungsfest, weshalb sie gerne für schwere Berg und Trekkingschuhe genutzt wird.
Gezwickte Machart: Die gezwickte Machart gehört ebenso zu den handwerklich hochwertigen Macharten. Erkennbar ist das Gezwickte an den sichtbaren „Nägeln“ im Innenschuh. Gezwickte Schuhe haben den Vorteil einer guten Formstabilität. Das macht sich darin bemerkbar, dass gezwickte Schuhe unproblematisch neu besohlt werden können.
Gestrobelte Machart: Die gestrobelte Machart ist eine Mischung aus Kleben und Nähen. Sie erfordert weniger handwerkliche Tätigkeit, was die Technologie preiswerter macht. Die Sohlenfestigkeit ist weniger ausgeprägt, wodurch ein höherer Flexionsweg möglich wird. Viele Wander- und Leichtwanderschuhe werden gestrobelt.
Direct Moulding: Beim direkten Anspritzen der Sohle (Direct Moulding) wird das im Leisten befindliche Oberteil über die Sohlenform gebracht und flüssiges PU hineingespritzt. Nach dem Erkalten werden die Ränder entfernt. Die Vorteile liegen in einem sehr raschen Produktionsprozess, da Klebeschritte wegfallen. Die Nachteile liegen in der geringen Stabilität der Sohlenkonstruktion und der geringeren Lebensdauer. Direkt angespritzte Sohlen lassen sich weder reparieren noch neu besohlen.

Die Zwischensohle

Die Zwischensohle ist für die Dämpfung des Schuhes zuständig. Zwei Materialien kommen hier zum Einsatz: PU (Polyurethan) oder EVA (Ethylenvinylacetat). PU sorgt für eine stärkere, EVA für eine robustere, alterungsbeständigere Dämpfung.
Schuhe der Kategorie A und B haben meist Sohlen aus PU während EVA eher bei Wanderschuhen der Kategorie C und D Verwendung findet.
Damit PU dämpft, werden Weichmacher beigefügt. Diese verflüchtigen sich mit der Zeit. Die Sohle wird dann spröde und bricht beim Laufen, da die Flexibilität des Materials verloren gegangen ist. Dieses Problem ist in erster Linie ein Lagerungsproblem, wie es auch bei Autoreifen auftritt, die lange nicht gefahren werden. Regelmäßiges Nutzen beugt diesem Schaden vor und erhält die Funktion der Materialien.

Laufsohle

Die Laufsohlen werden aus einer Kautschuk-/Karbonmischung hergestellt. Dabei gilt als Faustregel: Je höher der Gummianteil, desto griffiger und rutschfester die Sohle, je höher der Karbonanteil, desto abriebfester aber auch rutschiger die Sohle. Die Temperatur übt dabei einen weiteren Einfluss auf die Haltbarkeit und Griffigkeit der Sohle aus. Hitze macht Sohlen weicher, Kälte sorgt für härtere Sohlen.
Einige Hersteller, wie etwa Hanwag und Meindl, führen unterdessen spezielle Wintersohlen mit winzigen Glaspartikeln in der Sohle, die das Rutschen auf Eis verhindern sollen oder bieten traktionsstarke, abriebfestere Ganzjahressohlen.
Alpinsohlen haben eine harte Kantenstabilität. Außerdem haben sie meist im Zehenbereich profillose und griffigere spezielle Kletterzonen.
Wanderschuhsohlen sind als selbstreinigende Profile so konstruiert, dass die normale Fußflexionsbewegung beim Laufen den Dreck heraussprengt, damit das Profil nicht in seiner Trittsicherheit eingeschränkt wird.